Die Charaktererstellung zieht kreative Köpfe ganz natürlich an. Schon als Kinder haben uns Cartoons oder 3D-Charaktere in Videospielen inspiriert. Heute nutzen wir weiterhin Charaktere in unseren Social-Media-Profilen, als Avatare oder als Inhalte für Websites und soziale Netzwerke. Schon bald werden 3D-Charaktere ein untrennbarer Teil unserer Identität sein, wenn wir in die Metaverse-Communitys eintauchen.
Wenn du gerne zeichnest, ist 3D-Zeichnen einfach das nächste Level des kreativen Ausdrucks. Der Trend zum 3D-Design wächst und selbst 2D-Zeichentools wie Procreate, neben vielen anderen, unterstützen den Import von 3D-Modellen. Deinen eigenen, einzigartigen 3D-Charakter zu erstellen, ist ein fantastischer Einstieg.

Die Entscheidung für die Arbeit mit Vectary fiel leicht, da die Benutzeroberfläche so einfach und für jeden verständlich ist. Es läuft im Browser und kommt ganz ohne Code aus.
Wenn es dein Ziel ist, einen fotorealistischen Humanoiden auf Hollywood-Niveau zu entwerfen, ist Vectary wahrscheinlich nicht deine erste Wahl. Wenn du jedoch eher eine kreative Spielwiese und Echtzeit-Rendering suchst, kannst du mit Vectary im Handumdrehen loslegen. Die schwierigste Entscheidung für mich war, welche Art von 3D-Charakter ich erstellen sollte.
Vor 6 Jahren habe ich als absoluter Anfänger zum ersten Mal mit Vectary herumprobiert. Ich hätte nie gedacht (aber insgeheim gehofft), dass 3D-Design etwas ist, das ich kann. Ausprobieren, ja. Aber wirklich etwas erschaffen? Das schien eine unerreichbare Fähigkeit zu sein. Außerdem hatte ich die Befürchtung, dass meine Hardware das nicht mitmachen würde und der Lernprozess extrem mühsam sein würde. Ich lag falsch.

Bei meinen ersten Versuchen wusste ich noch rein gar nichts über die Erstellung von Charakteren – außer, dass ich ein 3D-Modell von Totoro entwerfen wollte, meiner Lieblingsfigur aus dem Studio Ghibli.
Mir wurde schnell klar, dass sich der 3D-Designraum völlig von 2D unterscheidet. Er erfordert zwar dieselbe Vorstellungskraft, aber eine ganz andere Herangehensweise. Der Lernprozess begann. Einige Dinge musste ich spielerisch selbst herausfinden, aber ich bekam auch sehr hilfreiche Unterstützung von meinen Vectary-Kollegen.
Hier sind einige Erkenntnisse, die ich auf meiner Reise ins Charakterdesign gesammelt habe.
Als Erstes musst du ein wenig umdenken, wie du ein Objekt wahrnimmst. Nehmen wir Totoro als Beispiel: Sein Körper beginnt mit einer Kugel. Diese Form kann dann transformiert, in die Länge gezogen und geformt werden. Seine Augen sind ebenfalls winzige Kugeln, seine Hände einfach nur gebogene Blöcke. Alles beginnt mit Grundformen, die modifiziert und zusammengesetzt werden.
Tipp: Starte mit den Grundformen aus der Primitives-Liste und passe dann Größe und Position mit dem Gizmo an:

Um die Form auf einer Achse zu verändern, halte einfach Shift gedrückt und ziehe am Würfel auf dem Gizmo. Das war die Basis für Totoros Körper:

Die Form meines ersten Charakters war geschafft. Sie brauchte zwar noch viel mehr Details, aber es war ein guter Anfang. Anfänge sind nie perfekt, sei also nicht zu streng mit dir selbst – du fängst ja gerade erst an.
Wir leben in einem 3D-Raum. Uns darin zu bewegen, zu interagieren und Dinge zu betrachten, ist völlig natürlich. Und dieser Raum schenkt uns ein Gefühl der Freiheit. Stell dir vor, du möchtest dieses Gefühl von Freiheit und Realität auf die Interaktion mit Objekten in einer virtuellen 3D-Szene übertragen. Hier gibt es keine Hindernisse wie das Berechnen der richtigen Perspektive oder das Arbeiten in Ebenen wie auf dem Papier.
Beim 3D-Design kannst du mit dem Objekt interagieren, es drehen, hinein- oder herauszoomen und verschieben (schwenken) – genau wie im echten Leben. Du musst lediglich die grundlegenden Steuerungspunkte kennenlernen.
Tipp: Nutze das Mausrad, um an das Objekt heranzuzoomen. Klicke mit der linken Maustaste auf die Szene, um sie zu drehen. Nutze den Rechtsklick zum Verschieben. Mit der Tab-Taste kannst du die Ansichtsperspektive wechseln:

Vectary ist ein großartiges Tool für Brainstorming, zum Herumspielen und um Ideen direkt beim Erstellen zu entwickeln. Wenn du jedoch schon etwas Bestimmtes im Sinn hast, kannst du ganz einfach eine 2D-Grafik oder das Foto einer Skizze importieren und als Entwurf oder Orientierungshilfe im Hintergrund verwenden.
Tipp: Ziehe das Bild für den Import in Vectary einfach per Drag-and-Drop in die Szene.


Was ein durchschnittliches Design von einem großartigen unterscheidet, sind die Details. Die meisten Anfänger sehen sie anfangs vielleicht nicht alle, aber Profis erkennen den Unterschied ganz sicher. Hier sind einige Tipps für essenzielle Details, die dein Design auf das nächste Level heben:
Tipp: Auch bei der Qualität eines 3D-Modells kommt es auf Details an. Wenn du dir das Erstellen eines detaillierten 3D-Modells noch nicht zutraust, nutze kostenlose 3D-Assets, um deinen Charakter fertigzustellen. Es gibt viele verfügbare Assets, die du ganz einfach importieren kannst.

Während deines Designprozesses wirst du feststellen, dass einige Formen eine gewisse komplexe Bearbeitung erfordern. Um beispielsweise den Mund eines Charakters zu erstellen, bearbeitest du die Grundform, um eine Öffnung hinzuzufügen. Dies ist im Edit-Modus durch einen Rechtsklick auf das Objekt möglich. Nun siehst du ein Mesh der 3D-Form, das aus Flächen, Linien und Punkten besteht. Jedes dieser Elemente lässt sich nach deinen Wünschen anpassen.
Tipp: Um einen Mund zu erstellen, wähle ‚Flächen‘ aus und nutze das Extrude-Tool, um sie nach innen zu drücken. Das Ergebnis sieht anfangs vielleicht etwas grob aus. Glätte die Form nach dem Verlassen des Edit-Modus, indem du ein Subdivide hinzufügst:
Für mich macht das Hinzufügen von Licht und Schatten im kreativen Prozess am meisten Spaß. Es führt die gesamte Idee zusammen und der Charakter beginnt, lebendig zu wirken. Das fertige Ergebnis zu sehen, ist ein echtes Highlight. Ehe du dich versiehst, hat dich das 3D-Fieber gepackt und du denkst schon an dein nächstes Design.
Tipp: Damit dein Objekt einen Schatten wirft, füge eine Shadow-Plane oder ein Backdrop hinzu:

Tipp: In Vectary gibt es verschiedene Möglichkeiten, eine Szene zu beleuchten. Eine Option ist die Nutzung von Environments aus der Bibliothek, deren Rotation du nach Bedarf anpassen kannst:

Tipp: Am interessantesten sind die einzelnen Lichtobjekte. Du kannst sie einfach aus dem Menü „Light objects“ ziehen und an einer beliebigen Stelle in der Szene platzieren. Ich persönlich bevorzuge ein Directional Light zur Simulation von Tageslicht und ein weiteres Kugel- oder Rechtecklicht mit einer Farbtönung. Das erzeugt einen schönen Verlauf auf der Oberfläche deines 3D-Charakters:
Ich hoffe, diese Tipps für Anfänger konnten dir etwas Orientierung und Inspiration bieten. Viel Erfolg bei der Erstellung deines 3D-Charakters! Und denk dran: Teilen macht Freude – markiere also #vectary auf deinen Social-Media-Kanälen oder teile es in unserem Forum.
Autorin: Mirka Biel, Digital Marketing bei Vectary